Der Ortsteil

Die Entwicklung des Ortsteiles Ob- und Niederschwarzbach

Ob- und Niederschwarzbach, das ist die Bezeichnung für zwei sogenannte Honschaften im nördlichen Stadtgebiet von Mettmann. Honschaften werden die Gebiete genannt, die zwar außerhalb der Stadtmauern lagen, aber als Bauernschaften auch die städtischen Freiheitsrechte erlangten. Diese Grenzregelung ist jedenfalls einer Urkunde von 1424 zu entnehmen, in der auch wörtlich die Begriffe Ob- und Niederschwarzbach erscheinen. Der Gebietsbegriff Schwarzbach lässt sich in unterschiedlichen Schreibweisen in Urkunden finden

1271:  Suaizpein
1316:  Suazpe
1393:  Up Swaetzoppe
 (Obschwarzbach)

Der Schwarzbach entspringt auf Gut Knürenhaus, im Bereich des Bibelskircher Weges (Der Volksmund im Mettmanner Plattdeutsch: „Beim Knür hinger de Schür), durchquert das Tal südlich der Wohnsiedlung und mündet bei Düsseldorf-Kaiserswerth in den Rhein. Dieses bis 1900 fast ausschließlich landwirtschaftlich genutzte Gebiet enthielt viele alte Häuser und Katen, von denen viele heute nicht mehr erhalten sind. Katen nannte man alte Häuser, in denen Familien wohnten, die mit der hiesigen Landwirtschaft auf das engste verbunden waren. Es gab bis zum Baubeginn der Wohnsiedlung noch ein besonders erwähnenswertes Exemplar. Dabei handelt es sich um ein ehemaliges Zechenhäuschen, im Volksmund auch „Kleiner Himmel“ genannt, das auf dem Grundstück Pommernstraße 21 gestanden hat. Dieses Haus diente im vorigen Jahrhundert den Arbeitern einer Bergwerksgesellschaft als Aufenthalts- und Umkleideraum. Hier wurde damals aus zwei Stollengängen, die unterhalb der Felder westlich und nordwestlich der Landstraße verliefen, bleihaltiges Erz gefördert. In unmittelbarer Nähe soll auch eine kleine Ziegelei gestanden haben, die den dort vorkommenden rötlichen Ton zu Feldbranntziegeln verarbeitet hat. Eine weitere Bleigrube, die im zweiten Weltkrieg noch kurzfristig in Betrieb war, befand sich an der Landstraße 422 neben Gut Knürenhaus (Nacke).

Gewerbliches

Um die Jahrhundertwende lebte die Bevölkerung, die nicht in der Landwirtschaft tätig war, teils von der Leinen- und Seidenweberei (ca. 10 Familien), die in Heimarbeit durchgeführt wurde. Die Garne wurden aus Langenberg oder Wuppertal abgeholt, nach der Verarbeitung die gewebte War an gleicher Stelle wieder abgeliefert. Die weiten Wege wurden überwiegend zu Fuß zurückgelegt. Andere Bewohner verdienten ihren Lebensunterhalt in der Herminghaus-Weberei, Wülfrath, in der Nudelfabrik Koch, Mettmann oder in den Steinbrüchen in der Hofermühle und Flandersbach. Neben den Webern dienten der Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln und Gütern des allgemeinen Bedarfs je ein Anstreicher, Sattler u. Polsterer, Zimmermann u. Stellmacher und Schmied, Ferner gab es einen Fourage- und Düngemittelhandel sowie zwei Gärtnereien. Eine Bäckerei (bis vor Ausbruch des 2. Weltkrieges), und ein Kolonialwarengeschäft befanden sich im Haus Obschwarzbach 40, ein weiteres Kolonialwarengeschäft und eine Metzgerei im Haus Saturdag. Diese Betriebe sind nach dem Zweiten Weltkrieg, das letzte Kolonialwarengeschäft in den 60er Jahren geschlossen worden.

Wege und Straßen

Die Ortsdurchfahrt mit den an der heutigen Landstraße 422 gelegenen Häusern nannte man „Am Saturdag“ (Dieser Begriff leitet sich vom Wort Samstag ab), eine Bezeichnung, die sich bis heute im Sprachgebrauch erhalten hat. Durch den fortschreitenden Kalkabbau  der Rheinischen Kalksteinwerke Wülfrath, musste die Landstraße von Wülfrath nach Ratingen 1953 verlegt werden. Der alte Straßenverlauf ist noch in der Ein-und Ausfahrt zur Gaststätte Bibelskirch zu erkennen, weiter zur Erholung und von Wülfrath-Wilhelmshöhe bis Interspar (heute REAL).

Vor 1920 musste der damalige Straßenmeister Abel täglich die Steine, die die Fahrbahn markierten, umlegen, damit die Radspuren der Pferdewagen nicht immer über die gleiche Stelle liefen. 1922-1924 wurde die Straße verbreitert, mit einer handgesetzten Packlage befestigt und Bäume am Straßenrand gepflanzt. Stärker werdendes Verkehrsaufkommen machte es später nötig, die Straße zu asphaltieren. 1965/66 hat man die Straße ab Bibelskirch bis Homberg-Meiersberg erneuert, begradigt und die Straßenbäume gefällt. An der gesamten Strecke ab Wülfrath wurde ein kombinierter Rad- und Fußweg angelegt.

Die Siedlung in Obschwarzbach

Ostpreußenstraße, Westpreußenstraße, Pommernstraße, Mecklenburgerstraße, Samlandstraße, Sudetenstraße,Schlesienstraße,
Elbingerstraße und Masurenstraße,

Straßennamen die es erst seit 1974 in Mettmann gibt. Diese Namen erinnern an die Gebiete, aus denen die Menschen kamen, für die diese Siedlung ursprünglich geplant war. Es waren die aus den Ostgebieten vertriebenen Landwirte oder deren Abkömmlinge, die hier auf landwirtschaftlichen Nebenerwerbsstellen eine zweite Heimat finden sollten und auch gefunden haben.

Die Grundstücksgröße für nebenerwerbsstellen muss wenigstens 800m², in Ballungsgebieten 600 m² betragen. Größe und Ausstattung der Häuser sind vorgeschrieben.

Durch Umwandlung von Flächen, die für öffentliche Einrichtungen geplant waren, sind heute eine Reihe von Häusern entstanden, die nicht den Richtlinien für Nebenerwerbsstellen unterworfen sind. In der Siedlung wohnen heute ca. 1100 Personen. Es sind 200 Häuser gebaut. Weitere 40 Häuser sind in der Planung bzw. im Bau.

Bürger beantragen Siedlung

Die ersten Gedanken, hier in Obscharzbach eine Siedlung zu errichten, gehen auf das Jahr 1957 zurück. Gemäß Rheinische Post vom 19. Januar 1960 wurde von Bürgern aus Ob- und Niederschwarzbach ein Antrag an die Stadtverwaltung gestellt, hier in Ob- und Niederschwarzbach eine Siedlung zu errichten. Dieser Antrag wurde mit 12 Punkten begründet. So unter anderem:

  • Schulen, die ev. u. kath. Schule sind nicht ausgelastet,
  • Geschäfte, es sind weite Wege zum Einkaufen zurückzulegen,
  • Handwerksbetriebe, durch Zuzug würden bessere Existenzmöglichkeiten für die beiden Handwerksbetriebe entstehen,
  • Gaststätten, diese müssen z. Zt. nur vom Durchgangsverkehr leben,
  • Wasserleitung, diese wohl damals im Bau befindliche Leitung könnte rentabler werden,
  • Verkehrsmittel, auch diese wohl damals schon mangelhaften Verkehrsmittel könnten rentabler werden,
  • Bibelskircher Weg, die geforderte Befestigung u. Instandsetzung bekäme durch eine Besiedlung die bessere Rechtfertigung.

Es wurden also 1960 einige Hoffnungen an die neue Besiedlung geknüpft.

Bürgerverein 1964 interessiert an Siedlung

Der junge Bürgerverein Ob- und Niederschwarzbach hatte am 5.12.1964 zu einer Versammlung in die Gaststätte Saturdag geladen.

Die Anteilnahme war groß. der damalige Bürgermeister Sommer und Stadtdirektor Görres informierten den Bürgerverein über die geplante Nebenerwerbssiedlung.

Herr Stadtdirektor Görres begründete die besondere Eignung als Standort für eine Siedlung in Obschwarzbach mit den vorhandenen notwendigen öffentlichen Einrichtungen, wie Kirchen, Schulen, Friedhof und Feuerwehr.

Zu dem weiteren Verlauf dieses Abends in Saturdag darf die Rheinische Post zitiert werden:

„Der Verwaltungschef führte weiter aus, dass die noch ausstehende Genehmigung der Nebenerwerbsstellen der Grund für die abwartende Haltung der Stadt bei der Planung der neuen Schulgebäude sei, für die der Regierungspräsident bereits öffentliche Mittel zugesagt habe. Eine Instandsetzung der alten Gebäude, so dringend notwendig sie auch sei, lohne sich nicht wegen des bestehenden Neubaus.“

Stadtdirektor Görres sagte zu, dass mit dem Bau der Schulen so schnell wie möglich begonnen würde, dass aber zuvor völlige Klarheit über die Klassenzahl bestehen müsse. Darum würde alles getan, um die Grundstücke für die Nebenerwerbsstellen möglichst bald zu sichern.

Wahrscheinlich wird mancher von Ihnen die oben geschriebenen Sätze mehrfach lesen und sich dann seine Gedanken zu den abhanden gekommenen Schulen machen.

Geburtsstunde der Siedlung

In einer außerordentlichen öffentlichen Sitzung am 13. September 1965, 17:00 Uhr, wurde die dritte Änderung des Flächennutzungsplanes im Stadtrat Mettmann beschlossen.

In der Honschaft Obschwarzbach wurde somit ein 25 ha großes Gelände als Siedlungsgebiet ausgewiesen. An diesem Tag übernahmen die Stadtväter Mettmanns eine neue Siedlung in ihr Stadtgebiet und somit in ihre Verantwortung. An diese Verantwortung sollten wir ab und zu erinnern dürfen.